Dreimal jährlich finden in den neuapostolischen Kirchengemeinden Gottesdienste für Entschlafene statt. Zu diesen besonderen Tagen beten die neuapostolischen Christinnen und Christen dafür, dass unerlöst Verstorbene das Heil in Christus finden. Am Sonntag, 5. Juli 2026, feierte der Kirchenpräsident der Neuapostolischen Kirche Süddeutschland Martin Rheinberger einen solchen Gottesdienst in der Gemeinde Esslingen-Mitte. Die umliegenden Gemeinden und zahlreiche Gäste waren eingeladen.
Bezirksapostel Martin Rheinberger predigte über Psalm 130, 7b: „Denn bei dem Herrn ist die Gnade und viel Erlösung bei ihm.“ Die Kernbotschaft des Gottesdienstes war: Der Herr der Lebenden ist auch der Herr Toten - und er will allen helfen.
Aus der tiefen Grube hin zur Vollendung
Der Bezirksapostel stellte zunächst den Unterschied zwischen Erlösung und Vollendung dar: Die Aufgabe der Glaubenden sei, auf Christus zu zeigen, dabei zu sein, mitzumachen und Vollendung zu schaffen.
Der Psalm 130 beginnt mit den Worten „Aus der Tiefe rufe ich, Herr, zu dir.“ Hier schreie jemand, der sich in einer tiefen geistigen Grube befinde und alleine nicht mehr herauskomme und keine Möglichkeit mehr habe, etwas selbst zu gestalten. In solchen Situationen gelte es, Gott anzurufen und sich nicht zu klein vorzukommen „denn der liebe Gott nimmt sich für dich Zeit“ so Rheinberger.
"Du bist kein Problemfall für Gott"
Bezirksapostel Rheinberger nahm Bezug auf die Begegnung zwischen Jesus und dem Blinden bei Jericho, die in Lukas 18,41 beschrieben ist. Der Blinde ruft Jesus um Erbarmen an. Jesus wendet sich ihm zu und fragt: „Was willst du, dass ich für dich tun soll?“. Diese Frage stelle Gott auch jedem Einzelnen. Er sehe dich und mich nicht als Problemfall an, den es zu lösen gelte. Vielmehr spreche Gott in seiner Liebe jeden einzelnen Menschen als geliebtes Kind an und frage: „Was willst du, dass ich für dich tun soll?“
Martin Rheinberger ging darauf ein, dass die Verstorbenen oft in einem Bereich fest stecken würden und sich nicht selbst helfen könnten. Der Zeigefinger sei aber ganz lang in Richtung Jesus Christus. Dort finden sie Erlösung. Manche Verstorbenen hätten noch nicht einmal einen Namen bekommen. „Christus gibt ihnen aber heute einen Namen und sagt: Du bist wichtig!“ so der Bezirksapostel.
Zu weiteren Predigtbeiträgen wurden Apostel Daniel Habich aus dem Apostelbereich Karlsruhe und Apostel Volker Keck aus dem Apostelbereich Ulm gerufen.
Die drei Sakramente für Verstorbene
„Meine Zeit steht in deinen Händen“ - mit diesem Lied wurden die Heiligen Handlungen durch ein Frauenquartett und Klavier eingeleitet.
Im Anschluss spendete der Bezirksapostel zwei Amtsträgern – stellvertretend für die Verstorbenen – die Heilige Wassertaufe, die Heilige Versiegelung und das Heilige Abendmahl. Die Sakramente werden in der gleichen Weise vollzogen wie dies bei lebenden Personen geschieht. Der Bezirksapostel erinnerte an die vielen Gemeindemitglieder, deren Namen nach Jahrzehnten niemand mehr wisse. „Aber Gott kennt sie bei ihrem Namen und ruft sie zu seinem Heil“ so der Bezirksapostel.
Der gemischte Chor der anwesenden Gemeinden begleitet von Violine, Querflöte, Klavier und Orgel sowie Gesangs-Solistinnen und Solisten umrahmten den Gottesdienst.
Die Kinder hatten den Bezirksapostel im Garten begrüßt und von den leuchtenden Sternen gesungen, die Gott alle einzeln kennt.