Zum 100-Jahr-Jubiläum der Gemeinde Filderstadt-Bonlanden wurde eine Chronik erstellt, die sicherlich nicht nur für Gemeindemitglieder interessant ist.
Seit 1924 bekennen sich Christen in Filderstadt-Bonlanden zum neuapostolischen Glauben. Zunächst besuchten sie die Gottesdienste in Echterdingen. Am 16. Oktober 1924 fand der erste Gottesdienst dann in Bonlanden statt. Ab dieser Zeit wurden hier regelmäßig an Donnerstagen abends Gottesdienste gefeiert, ab dem 1. Januar 1925 auch an Sonntagen.
Dieses Datum – 1. Januar 1925 – ist das Gründungsdatum der Gemeinde Filderstadt-Bonlanden. Als Vorsteher wurde Priester Gottlob Schmid aus Hof (damals Ortschaft bei Echterdingen) beauftragt.
Die kleine Schar der neuapostolischen Christen machte auch ihre Freunde und Bekannten aus Plattenhardt mit der Neuapostolischen Kirche bekannt. Am 30. Oktober 1927 empfingen die ersten Gläubigen von dort das Sakrament der Heiligen Versiegelung.
Auch in Bonlanden nahm die Anzahl der neuapostolischen Gläubigen zu, so dass die Räumlichkeiten in der Hauptstraße 74, wo sich die Gemeinde seit ihrer Gründung zu den Gottesdiensten und sonstigen Veranstaltungen versammelte, nicht mehr ausreichten. In der Gartenstraße 7 (heute Rainäckerstraße) wurde ein Wohnhaus errichtet, dessen Erdgeschoss als neue Versammlungsstätte für die Gemeinde diente. Sie wurde am 22. März 1934 durch Apostel Georg Schall geweiht.
In den folgenden Jahren des Nationalsozialismus konnte nicht öffentlich in die Gottesdienste eingeladen werden, dies war verboten. Trotzdem kamen immer wieder infolge persönlicher Kontakte einzelne Personen zur Gemeinde hinzu. Im Jahr 1938 wurde ein Chor gegründet. Der Gemeindevorsteher wirkte anfangs auch als Dirigent.
Während des Zweiten Weltkriegs wurde das Kirchenlokal beschlagnahmt. Es diente als Quartier für Soldaten. In dieser Zeit fanden die Gottesdienste in einem Schulraum statt. Für Erwachsene war das Sitzen in den damals vorhandenen Kinderbänken sehr unbequem. Das Heizmaterial war in diesen schweren Zeiten äußerst knapp. Damit der Ofen wenigstens etwas Wärme abgeben konnte, brachten Gemeindemitglieder das notwendige Heizmaterial mit.
Nachdem auch einige Harthäuser Christen zu den Gottesdiensten in Bonlanden kamen und zum neuapostolischen Glauben gefunden hatten, konnten ab 1947 auch in Harthausen Gottesdienste gefeiert werden, zunächst in einer Privatwohnung.
Für eine Gemeindegründung in Bernhausen gingen die Impulse auch von Bonlanden aus. Ab 1948 wurden in Bernhausen Gottesdienste abgehalten und 1951 entstand dann dort die selbstständige Kirchengemeinde im Stetter Bohmen 2.
Hatte die Gemeinde Bonlanden 1940 noch 75 Mitglieder, zählte sie 1950 bereits 110 Mitglieder. Anfang der 1960-er Jahre waren es 143 Mitglieder. Wieder reichte die Versammlungsstätte für die Gemeinde nicht mehr aus. Daher erwarb die Kirchenleitung ein Grundstück in der Poststraße 11, wo eine Kirche mit 170 Sitzplätzen errichtet wurde. Den Weihegottesdienst führte Apostel Wilhelm Jaggi am 11. August 1962 durch. Er verwendete als Bibelwort Hebräer 3, Vers 4: „Denn ein jeglich Haus wird von jemand bereitet, der aber alles bereitet hat, das ist Gott.“
Am 1. Januar 1965 wurde offiziell die Kirchengemeinde Harthausen gegründet. 32 bisherige Bonländer Gemeindemitglieder besuchten dann die Gottesdienste in ihrer neuen Gemeinde.
1983 fanden umfangreiche Renovierungsarbeiten am Kirchengebäude in der Poststraße 11 statt. Während dieser Zeit konnten die Glaubensgeschwister aus Bonlanden die Gottesdienste mit den Geschwistern in Harthausen feiern. Am 4. April 1984 konnte das Kirchengebäude in Bonlanden wieder bezogen werden. Rund 230 Glaubensgeschwister gehörten der Gemeinde Bonlanden damals an.
Zur Gemeinde Bonlanden zählten auch viele Glaubensgeschwister aus Plattenhardt. Ihre Zahl wuchs, so dass 1993 in der Finkenstraße in Plattenhardt ein neues Gotteshaus errichtet wurde. 74 bisherige Bonländer Kirchenmitglieder wechselten nach Plattenhardt in die neue Gemeinde.
Somit kann man Bonlanden als Muttergemeinde für Bernhausen, Harthausen und Plattenhardt bezeichnen.
Im Jahr 2000 konnte die Gemeinde Bonlanden ihr 75-Jahr-Jubiläum feiern. Die Kirchengemeinde zählte 164 Mitglieder.
Anfang der 2000er-Jahre konnte das Kirchengebäude in der Poststraße den aktuellen baulichen Anforderungen nicht mehr genügen. Eine große Kirche wurde am Ortsrand von Bonlanden gebaut. Am 14. Juni 2009 konnte das Kirchengebäude von Bezirksapostel Michael Ehrich geweiht werden. Er predigte mit dem Wort aus Apostelgeschichte 3, Verse 1-6: „...Petrus aber sprach: Silber und Gold habe ich nicht; was ich aber habe, das gebe ich dir: Im Namen Jesu Christi von Nazareth steh auf und geh umher!“
Die demografische Entwicklung führt auch in der Gemeinde Bonlanden zu einem Rückgang der aktiven Mitglieder. Deshalb wurde am 1. Januar 2012 die Nachbargemeinde Harthausen in die Muttergemeinde Bonlanden integriert. Am Erntedanksonntag, 4. Oktober 2015, folgte die Integration der Gemeinde Bernhausen. Dadurch wurden die Kräfte gebündelt, und alle Kirchenmitglieder können als lebendige Gemeinde gemeinsam im Jubiläumsjahr 2025 das 100-jährige Bestehen der Kirchengemeinde Bonlanden feiern.
Vorsteher der Gemeinde Bonlanden
Evangelist Gottlob Schmid (1925 bis 1933)
Evangelist Paul Laux (1933 bis 1972)
Priester Hermann Laux (1972 bis 1985)
Priester Hans Laux (1985 bis 1991)
Priester Christian Hoberg (1991 bis 2021)
Priester Martin Lutz (seit 2021)
Die Gemeinde im Jubiläumsjahr
244 Mitglieder
6 Priester
4 Diakone
2 Gemeindehelfer