Am Mittwoch, 23. September 2026, besuchte Bezirksapostel Martin Rheinberger die Kirchengemeinde Stuttgart-Degerloch.
Als Grundlage für den Gottesdienst hatte er ein Bibelwort aus Kolosser 3,15 gewählt: „Und der Friede Christi, zu dem ihr berufen seid in einem Leibe, regiere in euren Herzen; und seid dankbar.“
Ein Gefühl und seine Folgen
Am 21. September, der Montag dieser Woche, war der Weltfriedenstag. Auch unter dem Eindruck eines Telefonats mit Amtsträgern und Geschwistern aus der Ukraine, das er an diesem Mittwochmorgen geführt hatte, stellte Bezirksapostel Rheinberger in seiner Predigt zuerst das Thema Frieden in den Mittelpunkt. Neben der Ukraine herrsche in einem weiteren Land in seinem Arbeitsbereich Krieg: In Kamerun finde seit zehn Jahren ein Krieg statt, über den fast niemand berichte. Verkürzt gesagt denke eine Bevölkerungsgruppe dort: Wir sind zu kurz gekommen. Dieses Gefühl, des Zu-kurz-gekommen-seins führe zum Krieg. Dies könne man auch im alltäglichen Leben erleben.
Ein Beispiel aus der Bibel sind Jakob und Esau. Eine altbekannte Geschichte, die der Bezirksapostel unter einem neuen Blickwinkel erzählte: Der jüngere Bruder Jakob konnte es nicht akzeptieren, dass er aus seiner Sicht zu kurz kam und versuchte seinen älteren Bruder Esau auszutricksen, um an den Erstgeburtssegen zu kommen. Man könnte meinen, dass der Vertrag mit dem Linsengericht ein wasserdichter Vertrag war. Aber das war er nicht. Jakob musste, um den Erstgeburtssegen zu erhalten, auch noch seinen Vater betrügen. Erst dann erhielt er den Segen. Endlich fühlte er, dass er nicht mehr derjenige war, der zu kurz kam.
Doch was passierte mit Esau? Bezirksapostel Rheinberger fragte, ob jemand auch über Esau nachdenke, der Opfer eines Betrugs wurde.
Der Schlüssel zum Frieden
Viele Jahre später versöhnten sich die beiden. Jakob war auf dem Weg zu Esau, um sich zu versöhnen und dachte immer noch, dass sein Bruder zu kurz kam, weil er selbst den Erstgeburtssegen erhalten hatte. Er fürchtete sich vor dem Groll seines Bruders. Er wollte ihn positiv stimmen, indem er viele Geschenke zum Treffen mitbrachte. Doch Esau sagte: „Du musst mir gar nichts schenken. Denn Gott hat auch mich gesegnet.“
Das ist der Schlüssel zum Frieden: Esau konnte seinem Bruder vergeben, weil er erkannt hatte, dass Gott auch ihn gesegnet hatte - auch ohne den Erstgeburtssegen. Ihr Konflikt hatte sich aufgelöst, denn sie hatten beide erkannt, dass Gott sie beide gesegnet hat.
Nun übertrug Bezirksapostel Rheinberger die Geschichte in unseren persönlichen Alltag: „Wir Menschen denken, dass wir zu kurz gekommen sind. Wir sehen, dass andere gesegnet sind und fühlen uns dadurch zu kurz gekommen: Der liebe Gott hat dort geholfen und bei mir nicht. Das kann auf den ersten Blick durchaus auch so sein.“
Wie merkt man, dass man nicht zu kurz gekommen ist?
Ja, die Welt sei sehr ungerecht. Wenn man sich ungerecht behandelt fühle, weil Dinge nicht so sind, wie sie sein sollten, entstehe Unfrieden im Herzen. Diesen Unfrieden trage man auch in die Gemeinde, in die Familie oder die Firma hinein.
Bezirksapostel Rheinberger bekräftigte: „Der Schlüssel für Frieden ist die Erkenntnis bei mir, dass ich nicht zu kurz gekommen bin.“ Doch wie merke man, dass man nicht zu kurz gekommen sei?
Wenn man auf Jesus schaue, sehe man einen demütigen Diener, der seinen Jüngern die Füße gewaschen habe. Gleichzeitig sei er aber auch derjenige, der an der rechten Seite Gottes sitzt und alles für uns Menschen gegeben habe bis zum Tod. Allmächtig und demütig zugleich.
Jesus Christus sei derjenige, der uns mit seiner Demut und Liebe dient: in seinem Wort, in seiner Kirche, in dem, was er uns schenkt, dass wir Anteil an der Herrlichkeit Gottes haben dürfen. Wenn wir uns verdeutlichen, dass wir all das erhalten, können wir nicht zu kurz gekommen sein.
Gottes Wort wohnt im Heiligen Abendmahl
Nach der Predigt leitete Bezirksapostel Rheinberger direkt zum Abendmahl über: Im direkt an das Bibelwort anschließenden Vers 16 stehe „Lasset das Wort Gottes reichlich unter euch wohnen“. Eigentlich sei dies eine Steilvorlage, noch jemand zum Mitdienen aufzurufen. Aber das Wort Gottes wohne auch im heiligen Abendmahl unter uns.
Gottes Wort sei nicht nur gesprochenes Wort. Das Wort war von Anfang an da. Mit dem Wort habe Gott die Welt und alles, was in ihr ist, erschaffen. Auch im Abendmahl wohne das Wort Gottes. Indem wir es feiern, lassen wir es reichlich unter uns wohnen, so der Bezirksapostel.
Anschließend teilte Bezirksapostel Rheinberger allen Anwesenden persönlich das Abendmahl aus. Spätestens da fühlte es sich tatsächlich so an: Dass das Wort Gottes reichlich unter den Gottesdienstbesuchern wohnte.