Der Gottesdienst in der Neuapostolischen Kirche in Stuttgart-Degerloch am Sonntag, dem 3. Februar 2013, stand - nach 50 Ehejahren - ganz im Zeichen des Festes der Goldenen Hochzeit von Dagmar und Gerhard Neef.
Bezirksältester Hans Laux, Vorsteher des Neuapostolischen Kirchenbezirks Stuttgart-Degerloch, führte den Festgottesdienst in der vollbesetzten Kirche in der Leinfeldener Straße durch.
In seiner Predigtzugabe griff Thomas Harsch, stellvertretender Leiter des Neuapostolischen Kirchenbezirks Stuttgart-Degerloch und vormaliger Vorsteher der Gemeinde Stuttgart-Degerloch, den Gedanken des Dankens nochmals auf. Er wies darauf hin, dass das Jubelpaar für 50 Jahre des sich gemeinsam Haben dürfens auch einen besonderen Dank für die Bereitung dieses Tages auf den Altar gelegt hätten.
Das "Ja" bei der Hochzeit mag vergleichsweise leicht fallen; man hat "Schmetterlinge im Bauch". Die Leistung über 50 Jahre in Gemeinsamkeit zueinander zu stehen, auch in spannenden Momenten des Lebens war eine Stärke des Paares. Allein ein Blick in die Welt ist Anlass einerseits für einen besonderen Dank, ein solches Fest der Goldenen Hochzeit haben zu dürfen und andererseits auch demütig an andere zu denken und für sie helfend im gemeinsamen Gebet einzutreten.
Sich an einen gedeckten Tisch setzen zu dürfen, ist vielerorts keine Selbstverständlichkeit. Bestimmt von der Erkenntnis eines großzügigen Gottes, hatte das göttliche Gesetz Platz, in den Herzen des Paares verankert zu werden und ließ es so auch immer ein Leben nach dem christlichen Gebot der Nächstenliebe, "einer trage des anderen Last", führen.
Ebenfalls zu einer Predigtzugabe aufgerufen, betonte der Vorsteher der Gemeinde Stuttgart-Degerloch, Evangelist Jörg-Uwe Müller, den Gedanken der Dankbarkeit. Auch eben der Dankbarkeit für das sich Einbringen des Goldpaares in die Gemeinde, für ihre Verläßlichkeit im Wissen um das "große Ganze". Er beleuchtete die Beweggründe für ihren Bund: Gemeinsam leben, gemeinsam Freude haben und gemeinsam das Ziel unseres Glaubens erreichen.
In diesem Lichte hob er auch unserer aller Dankbarkeit Gott gegenüber hervor, dass er den Bund mit uns Menschen geschlossen hat - er hätte es sicherlich nicht gemusst!
Zum Abschluss des Predigtteils wurde durch den Gemeindechor das Wunschlied des Goldpaares "Was ich tief im Herzen trag'" (Chorliederbuch, Nr. 284) vorgetragen.
Nach der Feier des Heiligen Abendmahls richtete sich der Bezirksvorsteher in einer persönlichen Ansprache unmittelbar an das Jubelpaar. Hierbei sprach er seinen ausdrücklichen Dank für das Wirken von Gerhard Neef als Priester und Dirigent der Neuapostolischen Kirche in in dessen aktiven Zeit aus. Auch erinnerte er an die aufopferungsvollen "Taxi-Dienste" von Dagmar Neef. Es war - und ist - ein gutes Gefühl die beiden als buchstäbliche Wahrzeichen in der Gemeinde zu haben. Auch bei gelegentlichen Uneinigkeiten war ihr Handeln stets von Liebe und Wertschätzung geprägt gewesen.
Für ihren weiteren gemeinsamen Lebens- und Glaubenweg gab Hans Laux dem Goldpaar die Gedanken: "Freuet euch in dem Herrn allewege, und abermals sage ich: Freuet euch!... Sorgt euch um nichts, sondern in allen Dingen lasst eure Bitten in Gebet und Flehen mit Danksagung vor Gott kundwerden!" (Phil 4,4+6) mit auf den Weg. Zur Vertiefung zitierte der Bezirksvorsteher diese Bibelpassage auch aus der Übersetzung in der Gute Nachricht Bibel, wo sie wie folgt lautet: "Freut euch immerzu, mit der Freude, die vom Herrn kommt! Und noch einmal sage ich: Freut euch!... Macht euch keine Sorgen, sondern wendet euch in jeder Lage an Gott und bringt eure Bitten vor ihn. Tut es mit Dank für das, was er euch geschenkt hat."
Nach der Spendung des Segens zur Goldenen Hochzeit und dem Schlußgebet "verschrieb" der Bezirksvorsteher den beiden abschließend ein besonderes Rezept: morgens je eine Pille Zufriedenheit - abends je eine Pille Dankbarkeit. Im Anschluss an den Gottesdienst hatte das Jubelpaar, nach Entgegennahme ausgiebiger Glückwünsche der Familie, Freunde, Bekannte sowie der gesamten Gemeinde zu einem kleinen Imbiss in den kleinen Saal der Kirche geladen.
Er legte dem Gottesdienst ein Bibelwort aus dem Brief des Apostels Paulus an die Hebräer zugrunde, in dem es heißt: "Denn das ist der Bund, den ich schließen will mit dem Haus Israel nach diesen Tagen, spricht der Herr: Ich will mein Gesetz geben in ihren Sinn, und in ihr Herz will ich es schreiben und will ihr Gott sein und sie sollen mein Volk sein." (Hebr 8,10) Nach dem Eingangsgebet und einem Liedbeitrag des Gemeindechors wurden das Goldpaar und die anwesenden Gottesdienstteilnehmer herzlich von Hans Laux im Hause Gottes begrüßt. Der Bezirksvorsteher merkte in seiner Begrüßung an, dass er vor Gottesdienstbeginn noch kurz mit dem Jubelpaar gesprochen und sich nach ihrem Wohlbefinden erkundigt hätte, worauf Dagmar Neef meinte, dass sie heute, 50 Jahren nach der grünen Hochzeit, ganz im Gegensatz zu damals, kein Lampenfieber hätte. Sie wäre jetzt vielmehr die "coolste Braut".
Einleitend bezeichnete er "die Neefs", in Anlehnung an das Bild eines Räderwerks, als ein wichtiges Rad in der Gemeinde und betonte ausrücklich, dass er nicht das "Bremsrad" meinte. Dagmar und Gerhard Neef könnten auf ein gesegnetes Leben zurückblicken, wenngleich sicherlich auch Sorgentage in dieser Zeit zu durchleben waren. Der Bezirksvorsteher zog einen Vergleich mit Jakob, welcher nach der Segnung seiner 12 Söhne sich etwas Zeit zum Luftholen nahm und zu Gott rief: "Herr, ich warte auf dein Heil!" Auch das Goldpaar hole heute etwas Luft und wartet auf das Heil Gottes. Dieser Wunsch und dieses Warten würden allerdings nicht erst in den vergangenen 50 Jahren, sondern bereits seit Kindesbeinen in den beiden leben.
Hans Laux bezeichnete das Warten als ein Kind der Hoffnung. Eine amerikanische Studie zum Thema "Warten" hätte ergeben, dass der Mensch in unseren Breiten durchschnittlich sechs Monate seines Lebens vor roten Ampeln und fünf Jahre in Verkehrsstaus warten würde. Warten im christlichen Sinne bedeute jedoch ein sinnvolles Warten, auch einer auf den anderen, sowie gemeinsames Warten, etwa auf Kinder, Enkelkinder, den beruflichen oder kirchlichen Ruhestand. Hier war das Jubelpaar ein eindrucksvolles Vorbild.
Der Bezirksvorsteher unterstrich, dass der heutige Tag auch ein Dankestag sei. Das Loben und Danken Gottes hatte stets einen wichtigen Platz im Herzen des Goldpaares. Hans Laux zitierte den allgemein bekannten Ausspruch "Gott sei Dank" und fügte hinzu: "Wem auch sonst?" Er verwies auf die Worte eines bekannten Atheisten, welcher einmal geäußert hatte: "Ich will mich beklagen, aber bei wem? Ich will mich bedanken, aber bei wem?" Wir Christen haben hier den Ansprechpartner, im Klagen, wie im Danken - Gott! Bezugnehmend auf ein chinesiches und somit nicht der christlichen Gedankenwelt verhaftetes, gleichwohl zutreffendes, Sprichwort "Wasser aus einem Brunnen zu trinken, ohne an den zu denken, der den Brunnen gegraben hat, ist undankbar" , attestierte der Bezirksvorsteher dem goldenen Hochzeitspaar nie ein solches Vergessen gelebt zu haben. Dieses "Nichtvergessen" gab er der Kindern und Enkeln des Goldpaares, aber auch der gesamten Gemeinde als Aufgabe mit auf den Weg.
Hans Laux berichtet von der Begebenheit eines Arztes, welcher sich auf dem Höhepunkt seiner Schaffenskraft in einem Brief bei seiner ehemaligen Grundschullehrerin dafür bedankt hatte, dass sie ihn ermutigt hatte, eine höhere Schule zu besuchen. In ihrem Antwortbrief brachte die zwischenzeitlich hochbetagte Frau ihre Freude zum Ausdruck, dass der Arzt der erste und einzige ihrer Schüler war, der sich, in ihrer über dreißigjährigen Wirkenszeit als Lehrerin, jemals bei ihr bedankt hätte. Dagmar und Gerhard Neef hätten nie vergessen, wem sie zu danken haben und auch nie versäumt, Gott zu danken.
Vor dem Hintergrund der eingangs verlesenen Bibelstelle, wies der Bezirksvorsteher darauf hin, dass hier ein ganz anderes Bild Gottes skizziert wird, als es gewöhnlich vormals im Alten Testament üblich war. Im Neuen Testament, häufig auch bezeichnet als "Neuer Bund", treten Gottes Wesenselemente der Liebe, der Güte und der Gnade besonders in den Vordergrund. Gott ist damals mit seinem Volk einen "Neuen Bund" eingegangen. Auch das Goldpaar ist vor 50 Jahren einen Bund miteinander eingegangen und hat "Ja" zueinander gesagt. Aus diesem Bund ist in der Folge viel Gutes hervorgegangen. Ihr Antrieb war stets ein gemeinsames Handeln als Ehepaar, immer zusammen mit Gott und immer auf das gemeinsame Erreichen des Glaubensziels ausgerichtet. Jesus selbst hatte, auf eine entsprechende Frage hin, das wichtigste Gesetz formuliert: "Liebe deinen Nächsten, wie dich selbst und Gott über alles!" Dieses göttliche Gesetz war als "Herzenssache" immer prägend im Leben der beiden.