Seit 100 Jahren steht sie auf Seite 1 des Taufregisters der neuapostolischen Kirchengemeinde in Stuttgart-Degerloch: Gertrud Wellinger. Sie ist das älteste Mitglied der Gemeinde. Zum 100. Geburtstag kamen Apostel und Co.
1913 gründet sich in Stuttgart-Degerloch eine neuapostolische Kirchengemeinde. Schon 1914, am Vorabend des ersten Weltkriegs, wird ein Kirchengebäude errichtet, in dem noch heute die Gottesdienste gefeiert werden. Bald darauf gibt es neben dem Kirchenbuch auch ein Taufregister, in dem alle Kinder, die neuapostolisch in Degerloch getauft werden, eingetragen werden. Auf Seite 1 mit Geburtsdatum 25. Oktober 1922 und Taufdatum 5. November 1922: Gertrud Wellinger. Sie ist bis heute ohne Unterbrechung Mitglied der Gemeinde.
Fragt man alte Freunde und Bekannte aus der Kirchengemeinde, fällt schnell der Satz: „Sie ist ein Phänomen“. Erzählt wird, dass Getrud Wellinger noch vor wenigen Jahren für Mitbewohner im Pflegeheim Besorgungen machte – obwohl diese in der Regel meist bedeutend jünger waren als sie. Zudem habe sie viele Jahre lang die Orgel gespielt, im Chor gesungen und mit weit über 80 noch andere Kirchenmitglieder mit dem Auto abgeholt zum Gottesdienst.
Auf den klassischen Amtsträgerfotos in der Gemeindechronik fehlt sie – die Einführung der Frauenordination im Jahr 2023 kommt für sie ein wenig zu spät. Doch auf Gruppenfotos in der Gemeindechronik ist sie seit Jahrzehnten fester Bestandteil – sei es auf Fotos vom Chor oder auf dem großen Gemeindefoto zum 100er-Jubiläum 2013.
Seit einigen Monaten kann sie, die Konstante in der gesamten Geschichte der Gemeinde, die Gottesdienste nicht mehr in Präsenz besuchen. Und so kamen zum 100. Geburtstag die Gäste zu ihr: Apostel Jürgen Loy, Gemeindevorsteher Matthias Kälberer und einige Weggefährten hatten neben einem Blumenstrauß eine große Karte mit glitzernder 100 dabei, auf der zahlreiche Gemeindemitglieder zur Gratulation unterschrieben hatten.
Wir wünschen Gertrud Wellinger alles Gute zum Hundertsten. Sie ist ein Phänomen – und uns ein Vorbild.